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| Steckbrief | |
| Geb. | 9. Juli 1923 |
| Gest. | 26. Juli 2001 |
| Geburtsort | Wien, Österreich |
| Beruf | Kameramann / Cinematographer |
| Nationalität | Österreichisch |
| Epoche | 1938–2001 |
Walter Partsch war ein vielseitiger österreichischer Kameramann, der Spiel-, Dokumentar- und Fernsehfilme für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts fotografierte.
Biografie
Walter Partsch zählte zu den produktivsten Kameramännern seiner Generation und arbeitete für ein breites Spektrum von Produktionsformaten.
Sein Werk umspannt Jahrzehnte österreichischer Film- und Fernsehgeschichte.
Walter Partsch wurde am 9. Juli 1923 in Wien geboren. Im Jahr 1938 – noch als Jugendlicher – kam er als Volontär zur Filmbranche und begann damit früh, das Handwerk der Kamera zu erlernen. Von 1941 bis 1945 arbeitete er als Kameraassistent und einfacher Kameramann bei der Wien-Film, dem zentralen österreichischen Filmstudio der NS-Zeit mit Studios in Sievering und Schönbrunn. Nach Kriegsende wechselte er zur Wochenschau, wo er die unmittelbare Nachkriegszeit Österreichs dokumentarisch festhielt.
Ab 1950 trat Partsch als Chefkameramann für Kurz-Dokumentarfilme in Erscheinung – seine frühesten erhaltenen Arbeiten sind “Der kleine Helmut” und “Unser Christbaum 1950”. Ab 1951 begann er, für deutsche und österreichische Auftraggeber Spielfilme zu fotografieren, hauptsächlich Filmkomödien und Heimatfilme, aber auch gesellschaftskritische Werke.
Zu seinen künstlerisch bedeutendsten frühen Arbeiten zählt die Zusammenarbeit mit dem Avantgarde-Regisseur Kurt Steinwendner: Für “Wienerinnen – Schrei nach Liebe” (1952), einen nach dem Vorbild des italienischen Neorealismus gedrehten Episodenfilm über vier Wiener Frauenschicksale, führte Partsch gemeinsam mit Elio Carniel die Kamera. Der Film gilt als eines der bedeutendsten Werke des österreichischen Nachkriegskinos. Mit “Flucht ins Schilf” (1953), einem Kriminalfilm an der ungarischen Grenze, setzte er die Zusammenarbeit mit Steinwendner fort – und wurde 1954 für seine Schwarzweißkamera in diesem Film mit einer Auszeichnung für den besten Schwarzweißfilm geehrt.
Ebenfalls 1951 fotografierte er “Asphalt” von Harald Röbbeling, das erste neoveristische Filmexperiment Österreichs, das fünf Jugendschicksale inmitten der Trümmer Wiens schildert – basierend auf echten Polizeiberichten.
Neben der Kameraarbeit führte Partsch vereinzelt auch Regie: Die Kurzfilme “Flüssiges Gold” (1954) und “Gesundheit durch Wasser” (1959) entstanden unter seiner eigenen Regie.
In den späten 1950er und frühen 1960er Jahren fotografierte er aufwändige österreichisch-deutsche Koproduktionen, darunter “Sebastian Kneipp – Ein großes Leben” (1958, Regie: Wolfgang Liebeneiner, 117 Minuten), das Lipizzaner-Liebesdrama “Hengst Maestoso Austria” (1956) und den heute wiederentdeckten Thriller “Der rote Rausch” (1962) mit Klaus Kinski, der nach fast 40 Jahren Verschollenheit 2002 wiederentdeckt wurde.
Mit dem österreichisch-deutsch-französischen Gangsterfilm “Schamlos” (1968, Regie: Eddy Saller) war er an einem Novum der österreichischen Kinogeschichte beteiligt – dem ersten explizit auf das Exploitation-Genre ausgerichteten Film Österreichs. Der Regisseur gewann Partsch als arrivierte Fachkraft für die Kameraführung.
1970 beendete Partsch seine Laufbahn als Spielfilm-Kameramann und machte sich selbständig. In der Folge drehte er Fremdenverkehrs- und Dokumentarfilme sowie Fernseharbeiten, u. a. für die SFB-Reihe “Schauspieler erzählen große Geschichten”.
In einem Interview, das in Elisabeth Büttner und Christian Dewalds Standardwerk zur österreichischen Filmgeschichte (1996) dokumentiert ist, reflektierte Partsch über sein Handwerk: “Für mich ist nach wie vor der Schwarzweiß-Film das Wesentliche. Da muss man alles herausholen. Da muss man beweisen, was man kann.”
Walter Partsch starb am 26. Juli 2001 in Wien und wurde am Friedhof Mauer im 23. Bezirk bestattet.
Filmografie (Auswahl)
- Frühe Dokumentarfilme (als Kamera-Chef, 1950–1951)
- Spielfilme & Koproduktionen (1951–1971) ▶ Kurzfilm-Dokumentarfilme (Kamera & Regie, 1950–1951)
• Der kleine Helmut (1950, Kurz-Doku)
• Unser Christbaum 1950 (1950, Kurz-Doku)
• Wir zeichnen (1951, Kurz-Doku)▶ Spielfilme & Koproduktionen als Kameramann
• Asphalt (1951, Regie: Harald Röbbeling) – freihe neoveristische Österreichfilm-Pionierarbeit
• Wienerinnen – Schrei nach Liebe (1952, Regie: Kurt Steinwendner) – Bühnengemeinschaft mit Elio Carniel; neorealistisches Meisterwerk
• Flucht ins Schilf (1953, Regie: Kurt Steinwendner) – Auszeichnung für besten Schwarzweißfilm 1954
• Das Haus an der Küste (1953)
• Keine Angst vor Schwiegermüttern (1954)
• Das Geheimnis der Venus (1954)
• Vatertag (1955, Regie: Hans Richter) – deutsche Filmkomödie
• Geheimnis einer Ärztin (1955)
• Versuchung (1955)
• Wilhelm Tell (1956)
• Hengst Maestoso Austria (1956) – Lipizzaner-Liebesdrama, Regie: Hermann Kugelstadt
• Dort oben, wo die Alpen glüh’n (1956)
• Dort in der Wachau (1957)
• Der Wilderer vom Silberwald (1957)
• Heiratskandidaten (1957/58)
• Gefährdete Mädchen (1958)
• Die Straße (1958)
• Einmal noch die Heimat seh’n (1958)
• Sebastian Kneipp – Ein großes Leben (1958, Regie: Wolfgang Liebeneiner, 117 Min.) – österr./dt. Biopic
• Herrn Josefs letzte Liebe (1958/59)
• Meine Tochter Patricia (1959)
• Ich heirate Herrn Direktor (1959/60)
• Frauen in Teufels Hand (1960)
• Am Galgen hängt die Liebe. Philemon und Baucis (1960)
• Heimweh nach dir, mein grünes Tal (1960)
• Das Mädchen auf dem Titelblatt (1961)
• Deutschland – deine Sternchen (1961/62)
• Der rote Rausch (1962, Regie: Wolfgang Schleif) – Thriller mit Klaus Kinski; 40 Jahre verschollen, 2002 wiederentdeckt
• Das Haus auf dem Hügel (1964)
• Happy-End am Wörthersee / am Attersee (1964)
• Schamlos (1968, Regie: Eddy Saller) – erster österr. Exploitation-Film
• Keine Angst Liebling, ich pass schon auf! / Gejodelt wird zuhause (1970)
• Immer die verflixten Weiber (1971) – letzter Spielfilm als Kameramann▶ Regie (Kurzfilm/Dokumentarfilm)
• Flüssiges Gold (1954, BRD – Dokumentarfilm)
• Gesundheit durch Wasser (1959 – Dokumentarfilm)▶ Fernseharbeiten
• Mario (1963, Fernsehserie, 6 Folgen)
• Das alte Hotel (1963/64, Fernsehserie)
• Luftkreuz Südost (1966, TV-Film)
• Von 4 bis 4 (1968, TV)
• Schauspieler erzählen große Geschichten (SFB-Serie, nach 1970)
Quellen
- Filmarchiv Austria
- Cinewolf Wikipedia: Liste der Kameraleute in Österreich
IMDb – Walter Partsch (nm0664073)
Wikipedia DE – Walter Partsch
filmportal.de – Walter Partsch
cinema-austriaco.org – Walter Partsch
Filmarchiv Austria – Asphalt (1951)
Filmarchiv Austria – Wienerinnen (1952)
Friedhof Mauer Wien – Grabstätten-Verzeichnis
Büttner, Elisabeth / Dewald, Christian: Das tägliche Brennen. Eine Geschichte des österreichischen Films von den Anfängen bis 1945 (1996), S. 425ff. [Interview Walter Partsch] Der Standard: Zitat Walter Partsch (Archiv 2007)
fernsehserien.de – Sebastian Kneipp – Ein großes Leben
de.wikipedia.org – Friedhof Mauer
de.wikipedia.org – Schamlos (1968)
de.wikipedia.org – Der rote Rausch (1962)
Teil der Serie: Österreichische Kameraleute | © CINEWOLF media productions