cinewolf media productions - Louise Fleck auf der Rückreise von Shanghai 1947 (zur Verfügung gestellt von Georg Kolm)Louise Fleck auf der Rückreise von Shanghai 1947  (zur Verfügung gestellt von Georg Kolm)
Geb. 9. August 1873, Wien
Gest. 25. März 1950, Wien
Geburtsort Wien, Österreich
Beruf Filmregisseurin / Produzentin / Kamerafrau
Nationalität Österreich
Epoche Stummfilm-Ära (1910er–1930er)
Auszeichnungen Erste Filmregisseurin Österreichs
Erste Filmregisseurin Europas

Louise Kolm-Fleck: Pionierin des österreichischen Kinos

Louise Kolm-Fleck (1873–1950) war die erste Filmregisseurin Österreichs und eine der ersten Filmregisseurinnen Europas überhaupt. Als Mitgründerin und künstlerische Leiterin der Wiener Kunstfilm-Industrie (1910) legte sie nicht nur die organisatorischen und künstlerischen Grundlagen der österreichischen Filmindustrie, sondern bewies über zwei Jahrzehnte hinweg eindrucksvoll, dass Frauen hinter der Kamera in einer männerdominierten Filmwelt nicht nur Platz hatten, sondern führend wirken konnten.

Biografie: Vom Panoptikum zur Filmpionierin

Louise Veltée – wie sie mit Geburtsnamen hieß – wurde 1873 in Wien geboren. Sie war die Tochter eines Panoptikum-Besitzers, was in der frühen Filmgeschichte eine nicht unbedeutende Verbindung war, denn Panoptika dienten in dieser Zeit oft als erste Aufführungsorte für Filme. Diese Nähe zur frühen Bildmedien-Praxis prägte vermutlich ihre spätere künstlerische Orientierung.

Louise heiratete den österreichischen Filmpionier Anton Kolm (1865–1922), einen Fotografen und Unternehmer, der als Mitgründer der Ersten österreichischen Kinofilms-Industrie bereits Erfahrungen mit Filmproduktion sammelte. Im Januar 1910 gründeten Louise, Anton Kolm und der Regisseur Jakob Fleck gemeinsam in der Währinger Straße 15 im neunten Wiener Gemeindebezirk Alsergrund die Erste österreichische Kinofilms-Industrie – den Keim der späteren Wiener Kunstfilm-Industrie.

Die Gründung der Wiener Kunstfilm (1910) und frühe Erfolge

Mit ihrem eigenen, deutlich fokussierten Unternehmen – das ab 1911 den Namen Wiener Kunstfilm-Industrie trug – setzte das Gründertrio auf eine innovative Strategie: Hochwertige österreichische Produktionen sollten gegen die Dominanz französischer und internationaler Filmgesellschaften antreten, die zu dieser Zeit den österreichisch-ungarischen Markt nahezu vollständig kontrollierten.

Bereits im Februar 1910 entstanden die ersten Produktionen. Der kurze Dokumentarfilm Der Faschingszug in Ober-St. Veit (aufgenommen am 6. Februar 1910, uraufgeführt am 8. Februar) war das erste Werk des Unternehmens. Ein noch größerer Erfolg folgte Tage später: Die Aufnahmen des Trauerzugs für Bürgermeister Karl Lueger (14. März 1910) wurden in 22 Wiener Kinos gezeigt und begeisterten das Publikum.

Die Ahnfrau” (1910) – Der erste österreichische Spielfilm

1910 inszenierte Louise Kolm das Regiedebüt, das die österreichische Filmgeschichte prägen sollte: Die Ahnfrau, eine Verfilmung von Franz Grillparzers gleichnamigem Drama. Dieser Film war nicht nur einer der ersten österreichischen Spielfilme überhaupt, sondern auch das Debut des Co-Gründers Jakob Fleck als Regisseur. Mit dieser Produktion etablierte die Wiener Kunstfilm-Industrie eine innovative Strategie, die die französische Film d’Art-Bewegung adaptierte – die Verfilmung bedeutender Literatur, um Kino gesellschaftlich aufzuwerten.

Regisseurin und künstlerische Führungskraft (1911–1914)

Nach Antons Ausstieg und der Neugründung der Wiener Kunstfilm im November 1911 übernahm Louise noch größere Verantwortung. Sie war nicht nur Mitgründerin, sondern auch künstlerische Leiterin und Regisseurin zahlreicher Produktionen.

Ein besonders wichtiger Film war „Der Unbekannte” (1912), eine Adaption eines Theaterstücks von Oscar Bendiener, unter Louises Regie und mit prominenten Schauspielerinnen wie Eugénie Bernay (die österreichische Filmstar wurde) und Claire Wallentin. Der Film war ein großer Erfolg und trug zur internationalen Reputation der Wiener Kunstfilm bei.

Der Erste Weltkrieg und die Hochzeit des österreichischen Films (1914–1918)

Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs änderte sich die Landschaft radikal. Ausländische Filmgesellschaften verließen das Land, und der österreichische Filmmarkt öffnete sich für heimische Produzenten. Die Wiener Kunstfilm wurde zur führenden Filmproduktionsgesellschaft Österreichs.

Louise und Jakob Fleck (inzwischen verheiratet) führten gemeinsam Regie bei mehreren großen Produktionen der Kriegszeit. Kameramänner wie Heinrich Findeis dokumentierten die Kriegsereignisse für das hauseigene „Kriegs-Journal”, eine wöchentliche Wochenschau.

Filmografie – Umfassende Regie- und Produktionsliste

Regie (Dokumentiert und verifiziert)

  • „Die Ahnfrau” (1910) – Nach Franz Grillparzer. Regie: Louise Kolm | IMDb
  • „Zu Ebersberger Forst” (1911) – Regie: Louise Kolm
  • „Mutter – Tragödie eines Fabriksmädels” (1911) – Film d’Art Drama. Regie: Louise Kolm
  • „Der Dorftrottel” (1911) – Regie: Louise Kolm
  • „Die Glückspuppe” (1911) – Regie: Louise Kolm
  • „Nur ein armer Knecht” (1911) – Nach Ludwig Anzengruber. Regie: Louise Kolm
  • „Martha mit dem Hosenrock” (1911) – Komödie/Satire auf Mode. Regie: Louise Kolm
  • „Das Kind und die Welt” (1913) – Regie: Louise Kolm & Jakob Fleck
  • „Der Unbekannte” (1912) – Mit Eugénie Bernay. Regie: Louise Kolm | IMDb
  • „Mit Herz und Hand fürs Vaterland” (1915) – Kriegsdrama mit Liane Haid. Regie: Louise Kolm & Jakob Fleck
  • „Der Traum eines österreichischen Reservisten” (1915) – Regie: Louise Kolm & Jakob Fleck
  • „Der Meineidbauer” (1915) – Nach Ludwig Anzengruber. Regie: Louise Kolm & Jakob Fleck
  • „Mit Gott für Kaiser und Reich” (1916) – Regie: Louise Kolm & Jakob Fleck
  • „Der Schandfleck” (1917) – Regie: Louise Kolm & Jakob Fleck
  • „Im Banne der Pflicht” (1917) – Regie: Louise Kolm & Jakob Fleck

Quellen, Archive & weitere Informationsressourcen

📚 Akademische & Archivquellen:

📖 Literatur & Filmgeschichte:

🎬 Filmdatenbanken & Online-Archive:

👥 Verwandte Personen & Zeitgenossen:

🏛️ Institutionen & Organisationen:

🔗 Kontext & Zeitgeschichte:

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