🎬
Kein Portraitfoto verfügbar
| Steckbrief | |
| Geb. | 27. Juli 1897 in Wien, Österreich-Ungarn |
| Gest. | 26. Juni 1941 in Cawston, Norfolk, England, UK |
| Geburtsort | Wien, Österreich |
| Beruf | Kameramann / Cinematographer |
| Nationalität | Österreich-Ungarn |
| Epoche | Britisches Kino / Exil (1930er–1940er) |
Otto Kanturek war ein österreichisch-britischer Kameramann, der in Wien und Berlin ausgebildet wurde und nach dem Aufstieg des Nationalsozialismus nach England emigrierte. Er arbeitete für mehrere britische Produktionsfirmen und starb tragisch 1945 auf dem Weg nach Hollywood.
Biografie
Frühes Leben und Ausbildung
Otto W. Kanturek wurde am 27. Juli 1897 in Wien (Österreich-Ungarn) geboren. Er absolvierte eine fundierte Ausbildung an der renommierten Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien. Bereits als Jugendlicher sammelte er praktische Erfahrungen: Ab 1912 arbeitete er als Assistent für Gaumont Newsreels, 1913 ging er nach Paris zu Produzent Erich Pommer und drehte Wochenschauen für Pathé, Gaumont und Éclair.
Seine frühe Karriere führte ihn weiter nach Mailand (Milano-Film, 1914) und zurück nach Wien sowie Budapest, wo er mit Sascha-Film und Alexander Korda zusammenarbeitete. Im Ersten Weltkrieg debütierte er als Chef-Kameramann und wurde 1916 zum Militär eingezogen, wo er in speziellen fotografischen Einheiten diente.
Aufstieg in der deutschen und österreichischen Filmindustrie
Ab 1920 lebte Kanturek in Berlin und etablierte sich schnell als einer der gefragten Kameramänner der Weimarer Republik. Er arbeitete an zahlreichen Stumm- und frühen Tonfilmen mit und pflegte einen expressiven, atmosphärischen Stil, der vom deutschen Expressionismus beeinflusst war.
Zu seinen Höhepunkten zählt die Mitarbeit an Fritz Langs Science-Fiction-Klassiker Frau im Mond (1929, gemeinsam mit Curt Courant). Weitere bekannte Arbeiten aus dieser Zeit umfassen The Wrecker (1929), Ballettratten, Der Geisterzug und viele andere Produktionen. Er drehte sowohl in Deutschland als auch in Österreich und kooperierte mit Regisseuren wie Robert Wiene.
Emigration und Karriere in Großbritannien
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 verließ Kanturek Deutschland. Er ging zunächst nach Wien und Prag, wo er 1933 den Film Das Glück von Grinzing (auch V tom domecku pod Emauzy) als Regisseur realisierte. Als tschechoslowakischer Staatsbürger emigrierte er 1933 nach London, wo er sich dauerhaft niederließ.
In Großbritannien arbeitete er für namhafte Studios (u. a. Gaumont British, British International Pictures) und drehte zahlreiche Spielfilme. Er war Kameramann bei Produktionen wie Blossom Time (1934, mit Richard Tauber), Shipyard Sally (1939) und Night Train to Munich (1940). Als Regisseur inszenierte er die romantische Komödie The Student’s Romance (1935). Er galt als zuverlässiger und technisch versierter Profi, der auch bei aufwändigen Projekten eingesetzt wurde.
Tragischer Tod
Am 26. Juni 1941 starb Otto Kanturek im Alter von nur 43 Jahren bei einem Flugzeugabsturz nahe Cawston in Norfolk (England). Er war mit seinem Assistenten Jack Parry und einem Piloten in einer Avro Anson unterwegs, um Luftaufnahmen für den 20th Century Fox-Film A Yank in the R.A.F. (mit Tyrone Power) zu drehen. Das Flugzeug kollidierte mit einer Hawker Hurricane. Kanturek, seine Frau Edith Maria Lucia Beatrix (geborene Kanturek, wohnhaft in St. John’s Wood, London) und das Filmteam erlitten damit einen schweren Verlust. Er wurde auf dem Scottow Cemetery (nahe RAF Coltishall) beigesetzt – ein ziviles Kriegsgrab mit Hinweis auf 20th Century Fox.
Vermächtnis
Kanturek verkörperte die Generation von Filmemachern, die vom Stummfilm über den frühen Tonfilm bis in die Kriegsjahre wirkten. Seine Karriere spiegelt die Turbulenzen der Zeit wider: Aufstieg in der Weimarer Republik, Emigration vor den Nazis und Einsatz für die britische/alliierte Filmproduktion im Zweiten Weltkrieg. Obwohl kein „Star“ im Rampenlicht, prägte er durch seine technische Expertise und seinen visuellen Stil viele Filme.
Sein Werk umfasst über 100 Credits als Kameramann und einige Regiearbeiten. Heute wird er vor allem in Filmgeschichtsbüchern zur österreichisch-deutsch-britischen Kinogeschichte gewürdigt.
Filmografie (Auswahl)
- At the Villa Rose (1930)
- Man of Mayfair (1931)
- Mehrere britische Spielfilme der 1930er–1940er Jahre
Quellen
- IMDb: Otto Kanturek
- Cinewolf Wikipedia: Liste der Kameraleute in Österreich
- Find a Grave, zeitgenössische Berichte und Filmarchive (BFI, etc.)
Teil der Serie: Österreichische Kameraleute | © CINEWOLF media productions