Am Set von „Heidenlöcher” (1985)
| Steckbrief | |
| Geboren | 20. Oktober 1947, Burgenland |
| Gestorben | 10. Juli 2021, Österreich |
| Beruf | Kameramann / Regisseur / Produzent |
| Nationalität | Österreichisch |
| Ausbildung | Ingenieur für Flugtechnik; Hochschule für Film und TV Wien |
| Auszeichnung | Deutscher Bundesfilmpreis (Filmband in Gold) 1986 |
| Spezialgebiete | Unterwasserkamera, Flugaufnahmen, interaktive Medien |
| IMDb | → IMDb-Profil |
Wolfgang Simon Kameramann: ist ein österreichischer Kameramann, Regisseur und Produzent aus dem Burgenland – Träger des Deutschen Bundesfilmpreises in Gold 1986 für die Kamera in Heidenlöcher.
Wolfgang Simon Kameramann: Biografie
Wolfgang Simon, aufgewachsen im Burgenland, studierte zunächst Flugzeugingenieurwesen – eine eher ungewöhnliche Laufbahn für einen späteren Kameramann. Aus innerer Unzufriedenheit heraus heuerte er als Matrose auf einem Hochseetrawler an, eröffnete danach in München ein Fotostudio und spezialisierte sich auf Prominentenfotografie in Schwabinger Lokalen. Bald erkannte er jedoch, dass er ohne das Element der Zeit und der Bewegung nicht auskam – er bewarb sich an der Hochschule für Film und TV Wien.
Bereits während des Studiums arbeitete er als Kameraassistent, auch bei amerikanischen Kameraleuten. Die erste eigenständige Kameraarbeit führte ihn zur österreichischen Filmemacherin Valie Export für deren Spielfilm Unsichtbare Gegner (1977). Es folgten mehrere Jahre Dokumentarfilme, Fernsehreihen (u. a. Apropos Film von Hajek/Dimko, Musikszene von Rossacher/Dolezal), Popstar-Porträts und Musikvideos – darunter für die Gruppe Queen.
Mitte der 1980er Jahre übersiedelte Wolfgang Simon Kameramann nach München, wo er sich auf dem hart umkämpften deutschen Markt durchsetzte. Die internationale Zusammenarbeit führte ihn rund um die Welt – für Industriefilme tauchte er im Suezkanal Schiffswracks aus dem Zweiten Weltkrieg, er filmte aus Flugzeugen und Hubschraubern, und für das Goethe-Institut produzierte er eine interaktive Bildplatten-Produktion. Er hatte auch an der Entwicklung der Moviecam Super mitgewirkt.
Den Durchbruch in der deutschsprachigen Filmwelt brachte Heidenlöcher (1985) von Wolfram Paulus – ein österreichisch-deutsches Koproduktions-Drama in Schwarz-Weiß über einen Deserteur im Zweiten Weltkrieg, gedreht auf 35 mm Breitwand mit Agfa-Material. Der Film erhielt den Bayerischen Filmpreis für die Regie, Wolfgang Simon wurde mit dem Deutschen Bundesfilmpreis (Filmband in Gold) für die beste Kamera ausgezeichnet – verliehen am 7. Juni 1986 in Berlin durch Bundesminister Dr. Friedrich Zimmermann.
Nach sieben Jahren in der Filmmetropole München kehrte Simon aus Heimweh nach Österreich zurück und ließ sich in Mödling (Niederösterreich) nieder. Er gründete die Wolfgang Simon Filmproduktion und arbeitete weiterhin für ORF, WDR, BR, NDR sowie für private Auftraggeber. Wolfgang Simon Kameramann – sein Selbstverständnis: „Kamera soll man nicht spüren – sie soll keine Eigendynamik entwickeln. Ich sehe meine Aufgabe darin, die Intention des Autors und des Regisseurs optimal umzusetzen.”
Wolfgang Simon Kameramann: Filmografie (Auswahl)
Wolfgang Simon Kameramann: Kinofilme
- Der Vampir, der aus der U-Bahn kam (1970) – Diplomfilm, Kamera: Wolfgang Simon
- Schluss (1970) – Dokumentation, Kamera
- Unsichtbare Gegner (1977) – Regie: Valie Export – erste eigenständige Kinoarbeit
- Zeitgenossen (1982) – Regie: Ernst Lauscher; Verleih: Concorde
- Heidenlöcher (1985) – Regie: Wolfram Paulus; Coprod. Österreich/BRD (ORF/BR); Deutscher Bundesfilmpreis in Gold für Kamera 1986
- Geierwally (1987) – Regie: Walter Bockmayer; Produktion: Entenproduktion, Köln
- Der Kuss des Tigers (1987) – Regie: Petra Haffter; Deutsch-Französische Coproduktion
- Nela, das Leben einer Malerin (BRD) – Regie: Dr. Conrad Fischer
- Du bringst mich noch um (1994) – Regie: Wolfram Paulus; Prod.: SK-Film Salzburg
- Lisa und die Säbelzahntiger (1994) – Regie: B. Neuburger; Prod.: Extrafilm, Wien
Fernsehfilme & Serien (Auswahl)
- Das Licht der Gerechten – 15-teilige Serie, 18. Jhdt., Französisch-Deutsche Coproduktion, Regie: Andrej Jannick (2. Kamera)
- Alpensaga – Serie, Regie: D. Berger; 1. Kamera: Xaver Schwarzenberger (2. Kamera)
- Weltuntergang / The End of the World (1983) – TV-Spiel Sarajevo 1914; Coprod. ORF/NDR/Tele-Culture N.Y., Regie: Imo Moskowicz
- Familie Merian (1983/84, 1993) – TV-Serie, ORF, Regie: W. Davy (Folgen 19–30 und 31–36)
- Elvis (1984) – TV-Porträt 60 min., ORF/ZDF, Regie: H. Rossacher
- Singen kann der Mensch auf unzählige Arten … (1985) – TV-Spieldokumentation, ORF, Regie: Gernot Friedel (2. Kamera)
- Bonner Geschichten – TV-Serie 6×50 min., WDR, Regie: Ilse Hoffmann
- Der Fahnder – TV-Serie, WDR (Folge 56–62, 1987–1990), Regie: Werner Masten; Produktion: Bavaria Film
- Polenblut – Tatort „43″ (1988) – TV-Spielfilm, Regie: Werner Masten; Bavaria Film
- Hans Wrba: Inländerfreund (1991) – Aktuelles Fernsehspiel, ORF, Regie: K. Ockermüller
- Grenzfall (1992) – Aktuelles Fernsehspiel, ORF, Regie: K. Ockermüller
- Wenn der Eismann kommt (1992) – Aktuelles Fernsehspiel, ORF, Regie: K. Ockermüller
- Tatort: Mord im Wald (1992) – TV-Spielfilm 80 min., ORF, Regie: Wolfgang Glück
- Zug um Zug (1993) – TV-Spiel 2×90 min., ORF, Prod.: MR-Film, Regie: W. Paulus
- Rien ne va plus, Maria – TV-Spielfilm, Regie: T. Ujlaki
- Der lange Weg des Kofler Johann – TV-Spielfilm, Regie: T. Ujlaki
Dokumentationen & Porträts (Auswahl)
- Der Bundespräsident – Dokumentation 60 min.
- Gratwanderung nach Europa – TV-Dokumentation 60 min.
- Placido Domingo – TV-Porträt 60 min., Regie: H. Rossacher
- Frank Zappa – TV-Porträt 60 min., ORF/ZDF, Regie: R. Dolezal
- Zwischen zwei Kontinenten – TV-Porträt 30 min., Regie/Kamera/Prod.: Wolfgang Simon
- Hakenkreuz und Tränen – Der Fall Bettauer (1980) – TV-Dokumentarspiel, Regie: F. Grützbach
- Easy Radler (1980) – TV-Spiel 2×60 min. in Australien, Regie: K. Ockermüller
- Theodor Kramer (1986) – TV-Spieldokumentation 50 min., ORF, Regie: Peter Buch
- Ca. 80 Dokumentationen und 70 Porträts für ORF, WDR, BR, NDR u. a.
- Ca. 100 Beiträge für Apropos Film und Musikszene
Wolfgang Simon Kameramann: Musikvideos
- Queen – One Vision (1985) – Musikvideo, London; Produktion und Kamera: Wolfgang Simon Film, München
- Freddie Mercury – Living on My Own (1985) – Musikvideo für Queen, London; Produktion und Kamera: Wolfgang Simon Film, München
- Sandra – Midnight Man (1986) – Musikvideo für Virgin Records, München; Produktion: König-Simon Film; Kamera: Wolfgang Simon
Industrie- & Werbefilme (Auswahl)
- Enterprise Suez – 60 min., BRD (Regie, Kamera, Produktion: W. Simon)
- Suezkanal KM 25 – 30 min., BRD (Regie, Kamera, Produktion: W. Simon)
- Interaktive Bildplatte für das Goethe-Institut München – eine der ersten interaktiven Reisen durch Deutschland
- Über 40 Werbespots (u. a. Puntigamer, Vademecum, Ravensburger)
Wolfgang Simon Kameramann: Auszeichnungen
- Deutscher Bundesfilmpreis (Filmband in Gold) 1986 – für die Kamera in Heidenlöcher (Wolfram Paulus)
Quellen
- IMDb – Wolfgang Simon
- Originalunterlagen: Filmografie und Interview (Skytec Magazin, April 1992)
- Originalunterlagen: Brief des Bundesministers des Innern (22. April 1986)
- Fachzeitschrift Kameramann – Interview zu „Heidenlöcher”
Teil der Serie: Österreichische Kameraleute | © CINEWOLF media productions