cinewolf media productions - Gefahr für österreichs MedienbrancheDie Reformen des deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunks setzen ein düsteres Zeichen für die audiovisuelle Branche, mit tiefen Einschnitten und Umstrukturierungen, die auch für Österreich eine bedrohliche Entwicklung darstellen. In Deutschland werden durch die Kürzungen Produktionsbudgets reduziert, Spartensender wie ZDFinfo und Phoenix zusammengelegt und selbst innovative Formate gestrichen. Sender wie ARD und ZDF unterliegen einem Effizienzdruck, der weitreichende Folgen für das Beschäftigungsumfeld und die mediale Vielfalt hat.

Hintergrund in Deutschland

Initiiert wurden die Einsparungen von den deutschen Bundesländern und unter Federführung der Ministerpräsidentenkonferenz beschlossen. Ziel ist eine „effizientere“ Struktur der öffentlich-rechtlichen Medien – und das unter fortlaufendem Kostendruck und wachsender Konkurrenz durch private Medien. Die Gewerkschaft ver.di kritisiert die Maßnahmen scharf und warnt, dass die Qualität und Vielfalt des Angebots darunter leiden werden. Laut ver.di greifen diese Reformen tief in die Arbeitssicherheit und die Zukunft der Beschäftigten im Rundfunk ein. Auch befürchtet die Gewerkschaft, dass die geplanten Umstrukturierungen gegen die verfassungsmäßige Aufgabe des Rundfunks verstoßen könnten, da sie die redaktionelle Vielfalt und Unabhängigkeit gefährden. So setzt sich ver.di seit Monaten öffentlich für eine stabile Finanzierung ein und fordert die Regierung dazu auf, die kulturpolitische Bedeutung des Rundfunks zu erkennen und zu wahren.

Situation in Deutschland und mögliche Auswirkungen

Die Sparmaßnahmen in Deutschland gehen tief – das bedeutet weniger eigenständige Formate und schmalere Produktionsbudgets. Besonders Dokumentationen, kulturelle und regionale Programme, die oft als „weniger kommerziell“ gelten, stehen auf der Streichliste. Was bleibt, ist ein reduziertes Angebot, das weniger Raum für Vielfalt und kontroverse Stimmen lässt. Diese Einsparungen treffen aber nicht nur die Inhalte: Sie bedrohen auch unzählige Filmschaffende, darunter Kameraleute, Bildgestalterinnen, Regisseurinnen und alle, die in der Kreativbranche tätig sind und ihren Lebensunterhalt durch die audiovisuelle Medienproduktion bestreiten.

Die Frage, die sich stellt: Was wird aus den unzähligen, die durch diese Kürzungen arbeitslos werden? Wer wird für die Existenzen der freien Filmschaffenden aufkommen, wenn sie durch Jobverlust und Budgetkürzungen in prekäre Situationen geraten? Arbeitsplätze im öffentlichen Rundfunk sichern nicht nur Existenzen, sondern tragen maßgeblich zur kulturellen und politischen Vielfalt bei. Ohne diese Vielfalt in den Medien drohen Eintönigkeit und Standardisierung – das Publikum wird auf wenige, massenkompatible Formate reduziert.

Die Auswirkungen auf die österreichische Medienlandschaft

Die Gefahr ist real, dass auch Österreich einem ähnlichen Sparkurs folgt. Bereits jetzt ist durch internationale Konkurrenz ein Druck auf die heimischen Filmschaffenden spürbar. Lohn- und Sozial-Dumping und Konkurrenz durch deutsche Kolleginnen drängen die Preise und Arbeitsmöglichkeiten nach unten. Selbst in einer so zentralen Institution wie dem ORF geraten kreative und technische Berufe unter Druck.
Wenn diese Entwicklung Einzug hält, was wird dann aus den vielen Perspektiven und Formaten, die heute noch die Medienlandschaft ausmachen?
Der Verlust von Vielfalt und Originalität bedroht unsere Fähigkeit, komplexe Geschichten zu erzählen und die Zuschauer
innen mit differenzierten Ansichten zu informieren und zu inspirieren.

Appell an die Branche und das Publikum

Die Kreativbranche, die Berufsverbände und Gewerkschaften stehen in der Pflicht, klar und unmissverständlich zu kommunizieren, wie entscheidend der Berufsstand der Filmschaffenden für eine lebendige Medienlandschaft ist. Jeder weiß, dass es für Brot einen Bäcker braucht – doch wer weiß, wie viele Arbeitskräfte hinter einer Filmproduktion stehen? Regisseurinnen, Kameraleute, Bildgestalterinnen und unzählige weitere sorgen im „Entertainment Business“ für Inhalte, die informieren, inspirieren und unterhalten. Diese Realität muss dem Publikum und der Politik bewusst werden, um Unterstützung für faire Bedingungen und die Erhaltung dieser Arbeitsplätze zu sichern.

Österreich muss sich öffentlich positionieren, um ein starkes und unabhängiges Medienangebot zu verteidigen. Filmschaffende, Kameraleute, Regisseurinnen und die vielen kreativen Köpfe hinter den Kulissen brauchen faire Rahmenbedingungen. Diese Berufe müssen als das anerkannt werden, was sie sind: das Fundament der audiovisuellen Kultur Österreichs. Die Relevanz eines starken, öffentlichen Rundfunks muss nicht nur in den Entscheidungsebenen, sondern auch in der Gesellschaft klar vertreten sein.

Die Sparmaßnahmen, die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk bedrohen, sind eine Gefahr für Österreichs Medienzukunft. Es liegt an uns allen, den Wert und die Rolle der Filmschaffenden, die das Publikum unterhalten, informieren und inspirieren, zu verteidigen. Die audiovisuelle Kreativbranche ist mehr als Unterhaltung – sie ist Kultur, sie ist Demokratie.

Österreich darf die Chance, eine reiche Medienlandschaft aufrechtzuerhalten, nicht verlieren.

30. Oktober 2024