Poesie eines blassen Dandys

Nadja Kayali zeigt mit „Lorca!” im Ausstellungssaal des Semperdepots ihre erste Regiearbeit – in beeindrukkender Raumauslotung.

Von Sabine Oppolzer

“Man sah ihn gehen, noch unterm Sternenhimmel in der Morgenfrüh. Sie haben Federico ermordet, als das Licht hervorbrach.” Milchiges Morgendämmern, durch Jalousien grellgestreiftes Siesta-Licht und ein glutroter Sonnenball sind die effektvollen Lichtstimmungen, mit denen das Leben und Sterben des Dichters Federico Lorca atmosphärisch nachgezeichnet wird (Lichtdesign: Wolfram Zöttl).

Hier und da noch das sehnsüchtige andalusische Lied aus dem Off oder ein dämonischer Flamencotänzer – und die berückende Weite des Raumes (Rauminstallation Elisabeth Penker) ist perfekt inszeniert. Nicht umsonst kann Nadja Kayali, die hiermit ihre erste eigenständige Regiearbeit vorlegt, unter ihren Lehrmeistern auf klingende Namen wie Christoph Marthaler oder George Tabori verweisen.

Leider musste sie in ihrer Low-budget-Produktion auch den Stücktext eigenhändig verfassen – der entsprechend simpel selbstgestrickt wirkt. Eins glatt, eins verkehrt, immer Lorca-Zitate abgewechselt mit dem Text einer jungen Journalistin, die mit dem Dichter in einen imaginären Dialog tritt. Und das Ganze wird dann noch vom Ende, von der Gefangniszelle her, erzählt. Bestenfalls verwirrende Impressionen aus einem Leben also, dem die nationalistische Repression zum Verhängnis wurde.

Auch Wolfgang Klivana trägt nicht dazu bei, Lorca hier leibhaftig wiederauferstehen zu lassen. Er zeigt keinen Funken südländischen Feuers, sondern spielt den Dichter als blassen Dandy, der weder Glut noch Galle kennt. Ein unterkühlter Mittelpunkt, dem selbst ein vitaler Gegenspieler wie Christian Dolezal kein Leben mehr einhaucht. In Erinnerung bleibt ein verfallener Lorca, den auch Klischees wie eine Flamencotänzerin oder ein Torero nicht aus der Lethargie reißen, der aber in einem wunderschönen Raum vor sich hin sinnieren darf.