Wie Praktikant*innen die Filmbranche am Laufen halten – und dabei selbst auf der Strecke bleiben.
Sie träumen vom großen Kino, vom Fernsehen, vom Erzählen bewegender Geschichten. Doch wer heute als Praktikant*in in die Medienbranche einsteigt, landet oft nicht in der kreativen Elite – sondern in der Ausnutzungsfalle. Film- und Fernsehproduktionen funktionieren längst nicht mehr ohne die stille Reserve: junge Menschen, die mit Idealismus und Arbeitskraft Löcher stopfen, für die längst volle Tagessätze verrechnet werden.
Ob als Kameraassistentin, im Schnitt, in der Redaktion oder sogar direkt hinter der Kamera – Praktikantinnen übernehmen Jobs, die eigentlich tariflich abgesichert wären. Produzenten rechnen diese Positionen mit Kollektivvertrag oder gar darüber ab, zahlen aber selbst nur symbolische Aufwandsentschädigungen. Ein gängiger Deal: 100 Euro pro Woche für 50 Stunden Einsatz. Kreative Ausbeutung nennt man das – und sie hat System.
Doch der Schaden geht weit über das Individuum hinaus. Das führt nicht nur zu unerlaubtem Lohn- und Wettbewerbsdumping, sondern diese Praxis verzerrt den Wettbewerb. Wer korrekt zahlt, verliert gegenüber jenen, die Praktikant*innen als billige Allzweckwaffe einsetzen. Es entsteht ein gefährlicher Kreislauf: echte Arbeitsplätze werden verdrängt, Gagen gedrückt, Qualität relativiert. Denn wenn es immer jemanden gibt, der es „günstiger“ macht – und zwar ohne Skrupel –, leidet am Ende die gesamte Branche.
Jobsicherheit, Berufsstandards und soziale Absicherung geraten unter Druck.
Berufsverbände und Gewerkschaften müssten längst reagieren. Stattdessen schauen viele tatenlos zu – oder wachen erst auf, wenn der Schaden irreparabel ist. Dabei sind die Langzeitfolgen längst absehbar: Wer heute keine fairen Arbeitsverhältnisse schafft, produziert nicht nur Altersarmut und lückenhafte Pensionssysteme, sondern sägt auch am eigenen Ast. Ohne faire Einstiege gibt es bald keine qualifizierten Fachkräfte mehr – nur noch ausgebrannte Hoffnungsträger.
Es ist Zeit, die Rollen neu zu besetzen. Zeit für faire Praktika, klare Regeln, transparente Bezahlung und echte Förderung. Denn wer Geschichten erzählen will, sollte nicht selbst zur tragischen Figur werden. Und eine Branche, die Zukunft erzählen will, darf sich nicht auf Kosten der nächsten Generation ruinieren.