Ein Abend über den spanischen Dichter Federico Garcia Lorca
Lorca von Falangisten inhaftiert
- Gründe bislang noch ungeklärt
Wien/Granada - Der spanische Dichter Federico Garcia Lorca (38) wurde von einem falangistischen Stoßtrupp in der Wohnung seines Freundes Luis Rosales festgenommen und in das Zivilgouvernement von Granada gebracht. Die Exekutive warf ihm staatsstörendes Verhalten vor. Kenner der Lage vor Ort sahen in der Verhaftung einen weiteren Schritt zur Säuberung des Landes von Intellektuellen und Künstlern. Mit der Inhaftierung des Dichters beginnt auch der Theaterabend "LORCA!".
Anlässlich des 100. Geburtstags von Federico Garcia Lorca erhält eine junge Journalistin den Auftrag, einen Artikel über den spanischen Dichter zu verfassen. Voller Enthusiasmus stürzt sie sich in die Arbeit und vertieft sich in Lorcas Werke.
In den Vorstellungen der Journalistin erwacht die Welt des Schriftstellers zum Leben. Sie versetzt sich in Lorcas Gedanken und Erinnerungen im Gefängnis. Er hört einen Dialog aus seinem Stück "Mariana Pineda", der zu seiner eigenen Realität wird. Während die Journalistin an ihrem Artikel zu schreiben beginnt, führt sie einen imaginären Dialog mit dem Dichter. Er erzählt über sich, über seine Herkunft, über Granada.
Schon hört er die Kastagnetten des Flamenco. Die verrückte Studentenzeit in der Residencia von Madrid wird durch eine Szene der Kobolde aus "In seinem Garten liebt Don Perlimplin Belisa" wachgerufen. Trotz seiner Abstammung aus reichem Hause war Lorca zeitweise von Existenzängsten geplagt. Er bat in einem Brief an Jorge Guillen um Ratschläge, wie er "Professor" werden könnte.
Die Journalistin, vertieft in Lorcas Stück "Mariana Pineda", fragt sich, weshalb der Dichter inhaftiert wurde. Er hat bereits eine erste Vision seines Todes, die er jedoch in einem Dialog aus "Sobald fünf Jahre vergehen" zu verdrängen sucht. Während die Journalistin über Lorcas Todessehnsucht schreibt, füllt ihr ein Absatz über den Tod eines Matadors auf, über den Lorca eine seiner schönsten Balladen schrieb: "Klage um Ignacio Sanchez Mejias". War es nur Freundschaft oder doch eine unerfüllte Liebe? Der Torero betritt die Arena...
Frauen
Die Hauptfiguren in Lorcas Stücken sind fast immer Frauen (ein Zeichen seiner Identifikation?). So auch in "Yerma", der Tragödie einer Frau, deren Kinderwunsch unerfüllt blieb. In ihren Recherchen stößt die Journalistin auf die Beziehung zwischen Lorca und Salvador Dali. In ihrer wilden Vorstellung werden Traum und Realität eins - sie verwandelt sich für einige Augenblicke in Lorca. In ihrem nächsten Auftritt liest sie über die Verhaftung des Dichters aus ihrem bereits erschienenen Artikel. Lorca hört seine Anklageschrift und seine eigenen Gedichte über den Tod, beginnen ihn zu quälen, bis er merkt, dass sein Weg am Ende angelangt ist.
Nadja Kayali inszeniert in Wien ein Porträt über Lorca.
Die Wiener Regisseurin Nadja Kayali, die Christoph Marthaler zwischen 1994 und 1996 assistierte, schrieb und inszeniert das Stück "Lorca!" über den spanischen Dichter Federico Garcia Lorca im Semperdepot. Die eigens komponierte Musik stammt vom Wiener Komponisten Andreas Wykydal, die Rauminstallation ist von Elisabeth Penker. Mit Kostümen von Zahra Shubar und einem Lichtdesign von Wolfram Zöttl.
Dichtung über Liebe und Tod. So kennen Lyrik- und Theaterfreunde den spanischen Poeten Federico Garcia Lorca, der als Dramatiker Weltruhm erlangte. Was nur die wenigsten wissen: Lorca war ein hervorragender Pianist und komponierte sogar selbst. Der Dichter, der zur Gruppe der 27 (ein Zusammenschluss von Schriftstellern) gehörte, pflegte Kontakte zu den Surrealisten, unter anderem Salvador Dali und Luis Bunuel. Unter den Komponisten zählte Manuel de Falla zu seinen Freunden.
Wolfgang Klivana
Klivana absolvierte in Wien sein Schauspielstudium und ist seit 1973 Ensemblemitglied des Wiener Volkstheaters in Wien. Daneben kontinuierliche Tätigkeiten bei den Sommerfestspielen Kobersdorf und beim Donaufestival Krems. Im Sommer 1997 spielte er den "Tranio" in "Der Widerspenstigen Zähmung". Er wirkte auch in Kino- und Fernsehfilmen mit. Klivana ist außerdem seit 1988 Leiter eines Theaters für Lehrlinge (AK Wien - Volkstheater). Unter seinem vollen Namen Wolfgang William Klivana als Maler tätig, Ausstellungen in München, Paris und Wien. Zuletzt Einzelausstellung im Palais Palffy, Wien.
| Wolfgang Klivana |
Fedlerico Garcia Lorca |
| Alexandra Braun |
Journalistin |
| Christian Dolezal |
lgnacio Sanchez Mejias u.a. |
| Muriell Garfias |
Tänzerin, EI Toro Granadino |
| Carlos Delgado |
Visiones |
| Paul Sonderegger |
Sprecher (ab Band) |
| Nadja Kayali |
Inszenierung |
| Elisabeth Penker |
Rauminstallation |
| Andreas Wykydal |
Musik |
| Zahra Shubar |
Kostüme |
| Wolfram Zöttl |
Lichtdesign |
| Heinrich Schläfer |
Ton |
| Benjamin Hammett |
Licht |
| Martina Grohmann |
Regieassistenz |
| Verena Rauhofer |
Produktionsleitung |
| Roman Tronner |
Öffentlichkeitsarbeit |
Nadja Kayali
geb. 1970 in Wien. 1991 Abschluss des Studiums der Musikwissenschaft an der Universität Wien, weiteres Studium der Musiktheaterregie an der Musikhochschule Wien. Hospitanzen am Burgtheater bei George Tabori und Hans Hollmann, Musikassistentin am Volkstheater bei Helmut Wiesner, Regieassistentin von Christoph Marthaler an der Volksbühne Berlin, bei den Salzburger Festspielen sowie am Schauspielhaus Hamburg (u.a. „Stunde Null"). Musik bei „Das große Heft" (UA) Donaufestival; Dramaturgie und Regieassistenz bei „Gloria" (HK Gruber) - Wien Modern; Regiemitarbeit und Dramaturgie bei „Lichter Spiegel Klangbild Körper der Romantik" - von Heinz Reber in Wien (Musikhochschule); Regie für das Saxophonquartett „Melo X" - Wien (Porgy & Bess); Buch und Regie (mit Doris Flekatsch) für „Reisebuch durch Kreneks Welten", Musikverein.
Muriel Garfias
Geb. in Santiago de Chile; Ausbildung in Ballett, spanische und lateinamerikanische Folkloretänze, Kastagnetten und Flamenco; als Solotänzerin Tourneen durch Südamerika; 1973 Exil nach Österreich, seither neben Theater- und Tanzauftritten Lehrtätigkeit für Flamencotanz im In- und Ausland; Tournee mit Compania Flamenca „Alhama" durch Österreich, Deutschland und die Schweiz; Co-Choreographin bei Mariano Torres und Angela Granados beim Flamenco Festival Torres Bermejas im Wiener Messepalast. Tanzkurse in Ungarn, Polen, Griechenland, BRD, Schweiz und ganz Österreich.
Wykydal komponierte Musik für Lorca
Zusammenspiel mehrerer Kunstrichtungen als Konzept der Regisseurin für die Produktion
Für die Produktion "Lorca!" komponierte der Wiener Komponist Andreas Wykydal eigens Musik, die im Studio aufgenommen, die einzelnen Szenen des Theaterstücks untermalt. Andreas Wykydal, 1966 in Wien geboren, studierte Musikwissenschaft an der Universität Wien sowie Klavier am Konservatorium der Stadt Wien. Der Komponist ist Preisträger mehrerer Wettbewerbe, darunter "Jugend musiziert" in der Kategorie Klavier Solo, Duo, weiters der Wettbewerb der Gesellschaft der Orgelfreunde für seine Komposition "Blow up". Wykydal absolvierte als Pianist bereits zahlreiche Konzertauftritte und war in der ORF-Rundfunkserie "Meister von morgen" zu hören. Er komponiert für verschiedenste Besetzungen.
Regisseurin Kayali verfolgte mit dem Engagement Wykydals die Idee, in der Produktion "Lorca!" Schauspiel mit anderen Kunstrichtungen zu vereinen. So stammt die Rauminstallation aus den Materialien Stroh und Stoff von der Künstlerin Elisabeth Penker, Tanz von Muriel Garjias und Carlos Delgado verdeutlicht die Kultur der andalusischen Heimat Lorcas und vermittelt seine Gefühlswelt.
Christian Dolezal
Geb. 1971 in Wien; Schauspielstudium an der Schauspielschule des Volkstheaters (Abschluss 1996); zahlreiche Rollen am Volkstheater u.a. in "New York, New York" (Regie: E. Werner), "Cyrano de Bergerac" (Regie: M. Schottenberg), "Ergo" (Regie: Rudolf Jusits), "Insalata mista" (Regie: Karl Baratta); Darsteller bei "Die Wände" (Regie: H. Neuenfels) - Wiener Festwochen; im Künstlerhaus bei "Woyzeck" und "Dantons Tod" - Aktionstheater Ensemble (Regie: M. Gruber); "Behrenice - Racine reitet" - Österreichisches Theater; "Swiss Christmas" (Regie: E. Gabriel), u.s.w.
Das Salz unserer Welt bist Du gewesen, lebendig warst du wie ein Strahl der Sonne und bist nun nichts als das Gedenken an Dich...
Luis Cemuda
In Wahrheit starb Federico, weil er ein Dichter war.
Luis Buñuel
Man sah ihn gehen zwischen den Gewehren auf der langen Straße hinaus aufs kalte Feld, noch unterm Sternenhimmel in der Morgenfrüh. Sie haben Federico ermordet, als das Licht hervorbrach ...
Antonio Machado
DANKSAGUNG
Das Ensemble AsoATheater dankt für die Unterstützung weiters folgenden Personen:
Dr. Dressler, Andreas Früchtel, Dr. Erika Kaufmann, Dr. Bahij Kayali, Lucia Kayali, Ulla Krenn, Michael Lobgesang, Dr. Peter Marboe, Mag. Boris Marte, DI Marianne Penker, Univ.-Doz. Dr. Ronald J. Pohoryles, Dr. Porges, Maria Scheibelhofer, Teresa Stiglmayer, Heike Werner, Reinhard Werner, Alexander Machos, sowie der Firma Varilite und der Firma Holy Sound für das Lichtequipment und allen anderen, die die Produktion möglich gemacht haben.

Der Ausstellungsraum des Semperdepots wurde vom Kulturreferat der ÖH an der Akademie der Bildenden Künste zur Verfügung gestellt
Rauminstallation der Bildhauerin Elisabeth Penker als Bühnenbild
Semperdepot: Spielort von Lorca!
Wien - Das Atelierhaus der Akademie der Bildenden Künste, im Volksmund kurz Semperdepot genannt, ist Aufführungsort des szenischen Porträts "Lorca!". Der für das Stück genutzte Ausstellungsraum wurde zuletzt als Kulisse für die Balletteinlagen des Staatsopernballetts im Rahmen des Neujahrskonzertes 1998 verwendet. Die Rauminstallation aus den Materialien Stroh und Stoff für die Inszenierung ist von Elisabeth Penker, die an der Akademie für Bildende Künste in der Meisterklasse Bruno Gironcoli Bildhauerei studiert. Die Eigenart des Ausstellungsraumes, charakterisiert durch seine Trapezform sowie durch die Anordnung zahlreicher Säulen, erfordert ein flexibles Konzept.
Das "Semper-Depot" in der Lehargasse 6-8 wurde 1877 von Gottfried Semper als Kulissendepot für die k.k. Hoftheater in Wien errichtet. Diesen Zweck erfüllte das Gebäude im Stile der Neu-Renaissance bis 1952 und drohte mangels Nutzung 1974 abgerissen zu werden, wurde jedoch durch Einspruch der angrenzenden Technischen Universität gerettet. Nach seinem Umbau und der Revitalisierung in den Jahren 1994-1996 durch Architekt Carl Pruscha dient das Semperdepot heute schließlich der Akademie der Bildenden Künste als Atelierhaus. Der Ausstellungsraum wird für die Produktion "Lorca!" im Rahmen des "Instituts für Eigeninitiative" genutzt, einer Idee des Kulturreferates der Österreichischen Hochschülerschaft an der Akademie der Bildenden Künste zur Durchführung künstlerischer Projekte.
Wolfram Zöttl
geb. 1969 in Wien. Film&Video School, Maine, USA. Österreichische Filmakademie: Qualifikationen in Fotografie, Kamera, Regie, Konzeption, Ton und Lichtdesign. Seine Produktionen umfassen unter anderem: Kamera für den Videoclip "INCUBUS" (Electric Hellfire Club, 1995); Videotechnik für "Fröhlich geschieden" mit R. Fendrich im Fernsehen; Spezialkamera-Rigging für "Kubanisch Rauchen" im Kino (1996); Videotechnik für "Die Schuld der Liebe" im Kino (Regie: A. Gruber, 1997); Videotechnik und Screensynchronisation für "Opernball" (1997); Bühneneffekte und Lichtdesign für "Bastien & Bastienne" im Schikaneder Kino (1997); Kameraregie für "A View to India" (1997); Spezialeffekte und Chefbeleuchtung für "Saat des Bösen", ein Kurzspielfilm (1997).
Carlos Delgado
geb. 1964 in Kuba (Matanzas): Studium an der Escuela Nacional de Artes in Havanna. Fach: Theater (Schauspiel und Regie). Lehrer am Theaterinstitut in Gramma (Kuba). Schauspiel für Kindertheater. Gründer und Schauspieler des Teatro de la Danza de Cuba. Tournee durch Spanien und BRD unter Regie seines Bruders. Garcia Lorca-Produktionen in Kuba. Seit 1994 in Österreich tätig: Theater des Augenblicks, Odeon-Theater. Produktion "100 Jahre Einsamkeit" in Belgien. Derzeit Mitglied der Theatergruppe Bilderwerfer unter der Regie von Daniel Aschwanden.
Elisabeth Penker
geb. 1974 in Gem. Reißeck, Kärnten; seit 1993 Studium an der Akademie der bildenden Künste, Meisterklasse Bruno Gironcoli, Bildhauerei. Zwischen 1994 und 1996 mehrmonatige Arbeitsaufenthalte in Slowenien, Italien und den USA/New York. Ausstellungen (Auswahl): 1993 Moskau, "the time"; 1994 und 1995 Stift Millstatt; 1997 Semperdepot, "red handed", Kairo, "cairo privacy", Mezzanin, sowie Trabant, "10 Jahre Trabant".
Alexandra Braun
Geboren in Wien, absolvierte ihr Schauspielstudium an der Schauspielschule des Volkstheaters (Abschluss 1990). Sie nahm an einem Schauspiel-Seminar am Lee Strasberg Theatre Institute in Los Angeles teil und absolvierte ein Commedia dell'Arte-Seminar bei Alessandro Marchetti in Verscio (CH). Darüber hinaus erhielt sie eine Gesangs- und Tanzausbildung (10 Jahre klassisches Ballett) am Stadttheater Bern und am Theater der Jugend in Wien. Sie wirkte am Volkstheater Wien in verschiedenen Produktionen mit, darunter "Unverhofft" (Regie: R. Jusits), "Die Fee" (Regie: M. Gampe) und "Der Alpenkönig und der Menschenfeind" (Regie: M. Gruber).
ZEIT FÜR EIN GEDICHT
Córdoba
Einsam und fern.
Schwarzes Pferdchen, großer
Mond
Oliven im Sacke am Sattel.
Kenn' ich auch alle Wege -
nie komm ich in Córdoba an.
Durch die Ebne, durch den Wind
Schwarzes Pferdchen, roter Mond,
Es läßt mich nicht aus den Augen
der Tod von Córdobas Türmen.
Ach, welch ein endloser Weg!
Ach, du mein wackeres
Pferdchen!
Ach, mich erwarted der Tod
eh ich nach Córdoba komme!
Córdoba.
Einsam und fern.
REITERLIED
von Federico Garcia Lorca
Die politische Situation
Nach sieben Jahren autoritären Regimes unter General Primo de Rivera unter König Alfons XIII fanden am 12. April 1931 in ganz Spanien demokratische Gemeinderatswahlen statt, aus denen die republikanisch orientierte Regierung unter Manuel Azana hervorging. Diese Regierung blieb bis November 1933 im Amt. Die starke Polarisierung zwischen katholischen Traditionalisten und Progressiven bzw. Liberalen prägte das soziale Klima Spaniens. Die schlechte Wirtschaftslage und die Uneinigkeit der Linksparteien führten 1933 zum Wahlsieg der Koalition der Rechtsparteien CEDA (Confederación Española de Derechas Autónomas). 1936 kam schließlich die Volksfront an die Macht. Eine treibende Kraft gegen die 2. spanische Republik war die sogenannte "Falange Española". Diese wurde 1932 von José Antonio Primo de Rivera (Sohn des Diktators de Rivera) gegründet und war später die von Franco geleitete Staatspartei in Spanien mit faschistischem Programm. Zusammen mit anderen faschistischen und nationalistischen Kräften organisierten die Falangisten den Aufstand gegen die Republik, der im spanischen Bürgerkrieg, ausgelöst am 13.7.1936 in Folge der Ermordung des Monarchistenführers Sotelo, gipfelte.
Der Weg entsteht im Gehen ...
Über die Faszination Lorca und das Werden eines Theaterstückes
Nadja Kayali
Als ich vor nunmehr acht Jahren von einem Tag auf den anderen meine Koffer packte, um nach Spanien zu gehen, folgte ich einer inneren Stimme, die mich drängte, die spanische Sprache zu erlernen. Es gab eigentlich keinerlei "Notwendigkeit" dafür, außer der Faszination, die das Land und die Sprache von jeher auf mich ausübten. Während jener Monate in Salamanca wandelte ich auf den Spuren so mancher Dichter und entdeckte, wie sehr mich die spanische Literatur in meinem Innersten berührte. Der erste Kontakt mit der Dichtung Federico Garcia Lorcas war "Das vergossene Blut", der zweite Teil seiner "Klage um Ignacio Sanchez Mejias". Der Eindruck dieser Ballade auf mich hielt auch an, als sich meine erste Spanien-Euphorie legte und der Wiener Alltag mich wieder gefangennahm. Lorca ließ mich nicht mehr los. Es folgten zwei Sommer des Eintauchens in seine Werke, Briefe und Biographien. Langsam wurde mir auch bewusst, weshalb mich Lorca so faszinierte. Er selbst sagte einmal über sich, dass er sich "für einen Bereich zwischen Orient und Okzident halte. Ist das nicht genau meine Position? Meine österreichische Mutter, mein arabischer Vater - diese Gegensätze der Kulturen - sind sie nicht alle in einem einzigen Wort vereint, das da heißt: Andalusien ... Ein Stück über Lorca wurde zum fixen Vorhaben, ursprünglich über den Dichter und den Matador Sanchez Mejias. Diese Idee war die Ausgangsbasis des heutigen Theaterabends. Gemäß der Verszeile Antonio Machados 'se hace camino al andar' - der Weg entsteht im Gehen, wuchs ein gemeinsames Projekt aller Beteiligten.
"Bei uns gibt es keine erst- oder zweitrangigen Rollen, Stars sind nicht erwünscht. Wir bilden eine Art Kunstgemeinde, in der wir alle gleich sind. Jeder arbeitet eifrig entsprechend seinen Fähigkeiten. Einer spielt eine Hauptrolle, ein anderer kümmert sich um die Anfertigung der Kulissen, ein anderer verwandelt sich in einen Beleuchtungsorganisator, und der, der anscheinend zu nichts taugt, ist ein großartiger Lastwagenfahrer. Eine herzlich demokratische Kameradschaft leitet und ermutigt uns alle. Und so geht es immer voran..." -
Lorca in einem Interview, 1932
KOPF DES TAGES
Was ist einem Dichter, dessen Schaffen von so elementaren, zeitlosen Themen wie Liebe und Tod beherrscht ist, vorzuwerfen? Sein Appell an Gefühle, sein Appell an den Humanismus? Die Gefangennahme des spanischen Dichters Federico Garcia Lorca durch Falangisten in Granada schien darauf zu beruhen. Lorca, der am 5. Juni 1898 als Sohn wohlhabender Eltern, des Großgrundbesitzers Federico Garcia Rodriguez und der Lehrerin Vincenta Lorca, in Fuente Vaqueros bei Granada geboren wurde, war als Dichter bereits zu Lebzeiten weit über Spaniens Grenzen hinaus bekannt. Lorcas Werke sind zwar nie direkt auf die Tagespolitik bezogen, er setzte sich jedoch kritisch mit den gesellschaftlichen Verhältnissen seiner Heimat auseinander. Lorca, der sich ethnischen Minderheiten verbunden fühlte, sieht seine Dichtung in der andalusischen Kultur verwurzelt, so beispielsweise in der von den Zigeunern gelebten Kunstform des "Cante Jondo". Die Lyrik "Zigeunerromanzen" und "Poemas del Cante Jondo" (Dichtung Vom tiefinnern Sang) legen dafür Zeugnis ab. Neben Lyrik verfasste Lorca etliche Bühnenwerke, von denen die bekanntesten ins Deutsche übersetzt wurden, so z.B. "Yerma", zuletzt in Wien 1996 am Volkstheater gespielt, "In seinem Garten liebt Don Perlimplín Belisa", "Bluthochzeit", "Doña Rosita bleibt ledig", oder "Bernarda Albas Haus".
Aber nicht nur schriftstellerisch, sondern auch als Zeichner und Komponist war Lorca tätig. Und, was wenige wissen, der Poet aus Andalusien war auch ein hervorragender Pianist. Ab 1933 leitete Lorca das Studententheater "La Barraca", das als Wanderbühne durch das Land reiste und in mehreren Städten Spaniens gastierte.
Für das kulturelle Leben Spaniens der 30er Jahre war Lorca ein wesentlicher Bestandteil. Er hielt Kontakte zu den Surrealisten und war unter anderem mit dem Maler Salvador Dalí, dem Komponisten Manuel de Falla sowie dem Filmregisseur Luis Buñuel befreundet.
Die nationalistische Repression, die 1936 über Spanien hereinbrach und im Bürgerkrieg gipfelte, wurde dem homosexuellen Dichter zum Verhängnis. Federico Garcia Lorca wurde am 19. August 1936 Opfer der politischen Willkür eines gegen Künstler und Intellektuelle systematisch vorgehenden faschistischen Terrorregimes. So, wie es sein Freund, der Regisseur Luis Buñuel, formulierte: "In Wahrheit starb Federico, weil er ein Dichter war".
Zahra Shubar
Geboren 1968 in Bagdad, studierte Produktgestaltung mit Spezialisierung auf Mode an der Fachhochschule Bielefeld (Abschluss 1994). Sie entwarf Textil- und Teppichentwürfe, entwickelte Farbkonzepte, Innenausstattung und Konzepterstellung für das Hotel Intercontinental in Aqaba, Jordanien, sowie für das Hotel Holiday Inn in Amman. Darüber hinaus arbeitete sie im Architekturbüro Lati in Wien an Material- und Farbgestaltung für den Großen Österreichischen Wohnbaupreis in Graz (Wohnbaugenossenschaft Neue Heimat).